Julia Kleissl

Urs Meier – Mein Leben auf Ballhöhe

Schiedsrichter zu sein ist ein harter, oft ein undankbarer Job. Urs Meier machte ihn 883 Spiele, mit einer beispiellos souveränen Art, einer reichen Gestik und dem Bestreben, sich stets verbessern zu wollen. Dadurch erlangte er die Hochachtung von Spielern und Fans. Mit seiner Autobiografie bietet Urs Meier nun Einblicke in die Seele eines Schiedsrichters – des manchmal einsamsten Mannes auf dem ganzen Platz.

„Urs Meier“: Die Schweizer Schiedsrichterlegende erzählt „Mein Leben auf Ballhöhe“ in einer bewegend persönlichen Autobiografie aus dem Delius Klasing Verlag. Dieser Erinnerungsband eines der dereinst gefragtesten und bisweilen umstrittensten Unparteiischen bietet zugleich selten tiefe Einblicke in ein Metier, das wie kaum ein anderes öffentlich beleuchtet ist und das sich doch in einem geheimnisvollen Schattenreich abspielt.

Mit 18 Jahren hatte er erste D-Jugend-Spiele gepfiffen, da stand für ihn schon fest: 1998, mit 39, bin ich bei der WM dabei. Verlacht wurde er dafür. Doch bei der WM in Frankreich stand er dann auf dem Platz. 27 Jahre, von 1977 bis 2004, war Urs Meier im Einsatz, sein Weg führte von der Schweizer Provinz aufs internationale Parkett: UEFA, Champions League, EM, WM. 883 Einsätze insgesamt. Aufgebrachte Rumäninnen wollten ihn nach einer Fehlentscheidung verhexen (EM-Quali 2004 gegen Dänemark); empörte Engländer nach einem annullierten Tor (EM 2004 gegen Portugal) stießen Morddrohungen aus. Deutsche kennen ihn vor allem vom WM-Halbfinale 2002 (gegen Portugal). Und Schweizer sowieso: siebenmal Schiri des Jahres!

Ein Referee mit diesem Werdegang weiß natürlich aus dem Nähkästchen zu plaudern. Und das tut Meier auch, unterhaltsam, elegant. Berichtet von seiner fulminanten Karriere, von seinem Bammel vor den ersten Einsätzen, von den schönsten Momenten auf dem Platz und auch von Schlammschlachten und persönlichen Krisen. Dieser Mann, der Eingeweihte, der alle Tricks kennt, setzt sich eindringlich für die Professionalisierung des Schiedsrichterwesens ein und gewährt einmalige Einblicke ins Eingemachte: Wie „liest“ man ein Fußballspiel? Wie weit geht die Fairness? Wie ist das mit den Gelben und den Roten Karten? Was macht der Schiri in der Pause? Und: Wer pfeift wen? Vergnüglich, lehrreich, pfiffig!

„Urs Meier“ Mein Leben auf Ballhöhe, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2016. – ISBN 978-3-667-10444-1

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