OIiver Groß

Gelassenheit – aktiv sein

Was kann Gelassenheit bewirken? Wie ich beim letzten Mal schon ausführte, hat Gelassenheit nichts mit Gleichgültigkeit zu tun und schon gar nicht, dass man sich automatisch alles gefallen lassen muss, dass man zu Boden kriecht oder sich im Einstecken üben müsste. Keinesfalls!

Durch Gelassenheit kann und darf man sich behaupten und sich zur Wehr setzen. Dies erreicht man aber nicht durch Schlagfertigkeit (fertig zum Schlag) oder durch aggressives Kontern. Vielmehr achtet man bewusst darauf sein Gegenüber nicht zu beleidigen, zu beschimpfen oder zu verletzen und agiert durch ruhiges, höfliches, aber kluges Vorgehen. Diese Art von Gelassenheit hat natürlich Wirkung:

Der Schauspieler und der Portier
Ein sehr berühmter Schauspieler, der in allen Spitzenhotels der Welt noch mehr für seine unausstehliche Arroganz und Abgehobenheit als für sein schauspielerisches Talent bekannt war, traf für einen kurzen Aufenthalt in dem soeben eröffneten Tophotel ein. Er war es gewöhnt, dass man viel Aufhebens um seine Person machte und erwartete, dass der Empfangschef und der Direktor höchstpersönlich bereitstanden, wenn er vorfuhr. Erst verwundert, dann zornig nahm er zur Kenntnis, dass er lediglich vom Portier des Hauses empfangen wurde.

„Hat man keinen Würdigeren zu meiner Begrüßung schicken können?“ raunzte er in herablassendem Ton den Portier an.

„Hätten wir durchaus, da gibt es schon einige“, antwortete der Portier höflich. „Doch mit den besseren Leuten sparen wir – die schicken wir nur zu den würdigen Gästen“.

Der Schauspieler sah den Portier zunächst entsetzt an, denn niemand hatte sich je gewagt, so mit ihm zu sprechen. Nach einigen Sekunden lächelte er plötzlich und sagte zu dem Portier: „Bin ich würdig genug Ihnen ein Autogramm zu geben?“ fragte er jetzt ganz ruhig und als der Portier nickte, schrieb er auf seine Autogrammkarte: Diese innere Gelassenheit und die höfliche Bestimmtheit hat mich etwas gelehrt – nicht ein Titel macht dich groß, sondern höfliche Gelassenheit.

P.S. Sie können gerne das Wort „Schauspieler“ auch durch andere Namen, Titel und Bezeichnungen ersetzen, was Ihnen gerade einfällt und statt des Portiers setzen Sie einfach mal Ihren Namen, das ist doch eine nette Vorstellung, oder?

Die Antwort des Portiers mag vielleicht im ersten Augenblick anmaßend und frech erscheinen, doch genauer betrachtet, hätte er auch eingeschnappt, beleidigt und muffelig reagieren können. Das Ergebnis: Dem Portier würde es schlecht gehen und warum sollte er das zulassen. Denken Sie diesen Gedanken doch mal weiter! Wenn der Portier dies zulassen würde und es ihm den Rest des Tages schlecht ging, was würden die anderen Gäste davon haben?

Es ist also auch legitim so zu agieren, denn warum soll es Ihnen schlecht gehen, warum sollten Sie sich etwas gefallen lassen? Stellen Sie sich mal nicht den Portier vor, sondern wie bereits erwähnt, sich selbst. Welche Auswirkungen und wie groß ist das Umfeld, das darunter zu leiden hätte, wenn es Ihnen schlecht ginge? Seien Sie es sich wert, dass es Ihnen gut geht.

Heute habe ich mal das ganz Praktische der Gelassenheit betrachtet und ich könnte mir vorstellen, damit hat vielleicht der eine oder andere nicht gerechnet. Ist doch Gelassenheit so ein Begriff, der eher an Passivität und Gleichgültigkeit erinnert. Deshalb war es mir wichtig, das einmal aus dieser sehr aktiven Perspektive zu erläutern.

Euer Oliver Groß